Konflikte können unangenehm und beunruhigend sein oder Ängste auslösen, aber sie sind unvermeidlich. Egal, ob sie auf Stress, Persönlichkeitsunterschiede oder Fehlkommunikation zurückgehen – es werden sich immer neue komplexe Konflikte ergeben, wenn es um die Zukunft der Hybridarbeit für Unternehmen geht.
Die gute Nachricht ist, dass Konflikte mit der richtigen Handhabung eine unglaublich wichtige Komponente für den Aufbau leistungsfähiger Teams sein können. Tatsächlich zeigte eine McKinsey-Umfrage unter 5.000 Führungskräften, dass ein wichtiger Umgebungsfaktor, der für hochleistungsfähige Teams erforderlich war, eine „hohe Interaktion, charakterisiert durch Vertrauen, offene Kommunikation und Bereitschaft, Konflikte einzugehen“ war.
Um herauszufinden, wie Führungskräfte Konflikte als Wachstumstool benutzen können, haben wir mit Samantha Denning gesprochen, einer Executive Coachin und Expertin für Mediation und Konfliktlösung.
Denning, ein Marktführer in der Scrum und Agilen Gemeinschaft und Mitbegründer der Coaching-Agentur Unalome Agency, teilte die Bedeutung vorsätzlicher Strategien zur Konfliktlösung mit praktischen Tipps für Führungskräfte und Teams, die sie vor, während und nach Konflikten anwenden können.
Vorteile der Konfliktlösung am Arbeitsplatz
Führungskräfte, die die Kollaboration, MitarbeiterInnenproduktivität und Innovation im gesamten Team verbessern möchten, sollten sich Konflikten gegenüber aufgeschlossen verhalten. Angesichts der richtigen Strategien zur Konfliktlösung können Unternehmen davon profitieren durch:
- Höhere psychologische Sicherheit. Wenn Unternehmen eine Kultur fördern, die Konflikte als Teil des Lernens akzeptiert und begrüßt, werden sich Teams sicherer fühlen, ihre Ideen zu teilen. „Mit der richtigen Perspektive und den richtigen Ressourcen kann man Konflikte als Gelegenheit zum Lernen, Wachstum und zur Verbesserung der Arbeitsdynamik betrachten“, sagte Denning.
- Turboaufladung der Innovation und Produktivität. Teamwork ist eine notwendige Komponente der Innovation, die sich stark auf das Teilen von Ideen und kontinuierliches Lernen stützt. Konflikte helfen Teams dabei, ihre Zusammenarbeit zu verbessern, damit sich Teammitglieder wohl fühlen, zu experimentieren, Risiken einzugehen und ihre Erkenntnisse mit ihrem Team zu teilen.
- Unterstützung des Unternehmens, Werte zu schaffen. Wenn sich die Arbeitsplatzkultur verbessert, werden sich auch die Geschäftsergebnisse verbessern. Ein Bericht von McKinsey deutet darauf hin, dass „Unternehmen mit starken Kulturen bis zu dreimal höhere Gesamtrenditen erzielen als Unternehmen, die keine haben.“ Der Umgang mit Konflikten ist ein wesentlicher Bestandteil des Aufbaus einer starken, widerstandsfähigen Kultur. Unternehmen mit Konfliktlösungsstrategien nutzen Konflikte als Gelegenheit zum Lernen und zur Innovation, was wiederum zu einer Steigerung der MitarbeiterInnenbindung, Kundenzufriedenheit und des finanziellen Wachstums führt.
Damit Konflikte wirklich ein Wachstumstool werden, müssen Führungskräfte jedoch gut dokumentierte Strategien zur Konfliktlösung entwickeln und diese Informationen für jedes Teammitglied allgemein verfügbar machen.
Konstruktive, bewusste Konfliktlösung
Anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, Konflikte zu vermeiden, schlägt Denning vor, dass Führungskräfte ihre Mitarbeitenden dahingehend fördern sollten, bewusst auf Konflikte einzugehen.
Ohne etablierte Konfliktlösungsstrategien werden die meisten Menschen bei Konflikten automatisch reaktive Tendenzen zeigen. Dadurch werden Streitigkeiten selten wirksam beigelegt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Führungskräfte und Teams bewusst erkennen und sich darauf einigen, wie sie angesichts von Konflikten denken, handeln und sich verhalten.
„Das Entwerfen von Konfliktlösungsstrategien hilft Teams, sich darauf abzustimmen, welche Fähigkeiten, Frameworks und Unterstützungssysteme ihnen zur Verfügung stehen“, hebt Denning hervor. „Dies befähigt Menschen und gibt ihnen die Möglichkeit, Beziehungen zu reparieren und ein besseres Verhältnis zu Kollegen zu pflegen.“
Das proaktive Entwerfen von Konfliktlösungsstrategien kann auf die gleiche Weise wie das Erstellen von Teamarbeitsvereinbarungen oder von Richtlinien angegangen werden, die Teams gemeinsam erstellen und für die sie die Zusammenarbeit darüber vereinbaren. Organisationen, die Agile praktizieren, sind wahrscheinlich mit Arbeitsvereinbarungen vertraut, die in der Regel Richtlinien zu Arbeitszeiten, Umgangsformen und gemeinsamen Werten enthalten. Konfliktlösungen sollten auf dieselbe Art und Weise angegangen werden – zielgerichtet, iterativ und kollaborativ.
Konfliktlösungsstrategien, bevor Konflikte entstehen
Ihre beste Chance, Konflikte im Team erfolgreich zu lösen, besteht darin, bereits vor Entstehen eines Konflikts einen Plan zu haben. In dieser Phase geht es darum, Klarheit und Vorhersagbarkeit mit einem Plan zu schaffen, der leicht zu verstehen ist, sodass Teams auf einen Konflikt eingehen können, anstatt gefühlsmäßig zu reagieren.
Mit diesen Schritten fangen Sie an:
Legen Sie eine Intention fest, wie ein Konflikt anzugehen ist
Bevor Sie festlegen, was Sie im Konfliktfall tun möchten, sollten Sie entscheiden, wie Sie sich verhalten wollen. „Dies ist eine proaktive und leicht präventive Strategie, da Sie im Grunde eine Vereinbarung darüber treffen, wie Sie auftreten möchten, mit bestimmten Intentionen, die Sie dazu bringen sollen, in dieser Situation besser zu reagieren“, erklärte Denning.
Wenn Sie definieren, wie Sie sich während des Konflikts verhalten möchten, denken Sie an die emotionale Reaktion, die die von Ihnen verwendeten Wörter haben könnten. Nehmen wir zum Beispiel:
- Resonanz vs. Reaktion
- Neugierig vs. wertend
- Offen vs. verschlossen
Ein Team, das sich einig ist, während des Konflikts offen und neugierig zu sein, reagiert ganz anders im Vergleich zu einem Team, das sich während des Konflikts verschlossen und wertend verhält.
Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Team ein Konfliktprotokoll
Sobald Sie die Intentionen Ihres Teams für den Umgang mit dem Konflikt festgelegt haben, sollten Sie ihnen die Ressourcen und Tools zur Verfügung stellen, um Unstimmigkeiten zu steuern. Am besten können Sie dies tun, indem Sie gemeinsam mit Ihrem Team ein Konfliktprotokoll erstellen. Dabei handelt es sich um eine Teamvereinbarung zur Kommunikation und Handlung während des Konflikts.
Sie können ein Konfliktprotokoll persönlich oder während eines virtuellen Meetings mit einer Online-Vorlage erstellen, wenn es sich um ein Remote- oder Hybrid-Team handelt. Auf jeden Fall muss Ihr Protokoll schriftlich erstellt werden, damit Sie eine Aufzeichnung über Ihre Diskussion und einen Entwurf haben, den Ihre Teammitglieder jederzeit nutzen können. Basierend auf ihrer Erfahrung bei der Konfliktvermittlung hat Denning vier Elemente identifiziert, die in einem Konfliktprotokoll von entscheidender Bedeutung sind. Ihr Rahmen, die 4Ps, befasst sich mit:
- Purpose auf Deutsch Zweck: Entscheiden Sie gemeinsam, warum Ihre Teambeziehung wichtig ist, was Sie eint und welche Ziele oder Aufgaben Sie als Gruppe haben.
Ein Produktentwicklungsteam, das etwas Neues entwickelt, kann zum Beispiel ein Ziel festlegen wie: „Wir sind dabei, etwas völlig Neues zu entwickeln, und jeder von uns hat eine andere Perspektive. Wir wollen Konflikte effektiv lösen können und jeder soll sich wohlfühlen, die eigenen Ideen mit den anderen zu teilen.“
- Perspektive: Erkunden Sie, wie Ihr Team Konflikte betrachtet und welche Perspektiven dazu führen, wie Sie an Konflikte herangehen und sie lösen. Ein Team kann sich beispielsweise darauf einigen, bei Konflikten eine „positive Intention anzunehmen“ und „neugierig“ zu sein.
- Prinzipien: Definieren Sie, welche grundlegenden Überzeugungen oder Werte Ihr Team besitzt. Dadurch werden die Maßnahmen Ihres Teams mitten im Konflikt bestimmt, mit denen Sie produktivere Ergebnisse erzielen. Beispiele für Leitprinzipien sind Freundlichkeit, Empathie oder Vertrauen.
- Practices auf Deutsch Methoden: Bestimmen Sie konkrete Maßnahmen, die Ihr Team anhand der von Ihnen festgelegten Grundsätze ergreifen kann. Listen Sie auf, was Sie sagen oder tun werden, um Konflikte anzugehen. Ein Beispiel hierfür wäre, „eindringliche Fragen zu stellen“.