Anmelden

Die Vor- und Nachteile der Wasserfallmethode

Lesedauer: etwa 8 Min.

Themen:

Kernaussagen

  • Die Wasserfallmethode ist eine lineare Projektmanagementmethode. Bei dieser Methode schließen Teams klar abgegrenzte, aufeinanderfolgende Phasen ab, um ein ausgereiftes Endprodukt sicherzustellen. 

  • Die Wasserfallmethode umfasst sechs zentrale Phasen: Anforderungserfassung, Systemdesign, Implementierung, Testphase, Auslieferung und Wartung. 

  • Ein wesentlicher Vorteil der Wasserfallmethode ist ihre klare Struktur. Durch diese werden die Endziele frühzeitig festgelegt und ein nahtloser Informationsfluss ermöglicht. Zu den potenziellen Nachteilen zählen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Änderungen, eine begrenzte Einbindung des Kunden sowie die Verschiebung der Testphase bis zum Projektabschluss.

Wenn Sie sich bereits mit Projektmanagementmethoden beschäftigt haben, ist Ihnen wahrscheinlich auch die Wasserfallmethode bekannt. Diese steht auf den Listen beliebter, effizienter Projektmanagementmethoden ganz oben neben Agile, Scrum, Six Sigma und Kanban. Dr. Winston Roye definierte die Methode erstmals 1970 in einer Abhandlung über Ineffizienzen bei Softwareentwicklungsprojekten, doch niemand wird als alleiniger Urheber der Methode angesehen. 

Ein halbes Jahrhundert nach ihrer Einführung hat die Wasserfallmethode in der modernen Geschäftswelt immer noch ihre Berechtigung. Sie sollte jedoch nicht wahllos eingesetzt werden. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteile des Wasserfallmodells und wie Lucid Ihrem Team helfen kann, diesen Ansatz bei Ihrem nächsten Projekt anzuwenden.

Was ist die Wasserfallmethode für das Projektmanagement?

Einfach ausgedrückt: Das Wasserfall-Projektmanagement ist ein sequenzieller, linearer Prozess des Projektmanagements, der aus mehreren separaten Phasen besteht. Keine Phase beginnt, bevor die vorhergehende Phase abgeschlossen ist, und jeder Abschluss einer Phase ist endgültig – das Wasserfallmanagement erlaubt es nicht, zu einer früheren Phase zurückzukehren. Die einzige Möglichkeit, eine Phase erneut zu durchlaufen, besteht darin, wieder bei Phase eins zu beginnen.

Die Wasserfallmethode mag strikt erscheinen, aber in der Geschichte des Systems war nur diese strenge Vorgehensweise möglich. Die Wurzeln des Wasserfall-Projektmanagements liegen in anderen Branchen wie der Fertigung und dem Bauwesen, wo das System aus der Notwendigkeit heraus entstanden ist. In diesen Bereichen müssen die Projektphasen nacheinander ablaufen – ohne den Rohbau eines Hauses lässt sich keine Trockenbauwand hochziehen.

Wie Sie sich vorstellen können, ist die richtige Planung im Wasserfallsystem ein Muss. Die Anforderungen eines Projekts müssen im Voraus klar formuliert sein und jeder Projektbeteiligte muss sich dieser Anforderungen bewusst sein. Jedes Teammitglied sollte zudem seine Rolle im Projekt sowie die damit verbundenen Aufgaben genau kennen.

All diese Informationen müssen sorgfältig dokumentiert und anschließend an alle Projektbeteiligten weitergegeben werden. Während des gesamten Prozesses werden sich die Teammitglieder auf die von Ihnen bereitgestellte Dokumentation stützen. Wenn dieses Dokument ordnungsgemäß befolgt wird, werden die Erwartungen klar dargelegt und Meilensteine für das Projekt festgelegt, anhand derer sich der Fortschritt einfach bestimmen lässt.

Phasen des Wasserfall-Projektmanagements  

Die konkreten Phasen des Wasserfallmodells variieren je nach Quelle geringfügig, umfassen jedoch im Wesentlichen Folgendes:

1. Erfassung der Anforderungen und Dokumentation

In dieser Anfangsphase sollten Sie umfassende Informationen darüber zusammentragen, welche Anforderungen für das Projekt zu erfüllen sind. Sie können diese Informationen auf unterschiedliche Weise erfassen. Dies kann beispielsweise durch Interviews, Fragebögen oder interaktive Brainstormings geschehen. Am Ende dieser Phase sollten die Projektanforderungen klar sein, und Sie sollten über ein Anforderungsdokument verfügen, das an Ihr Team ausgegeben wurde.

2. Systemdesign

Auf Grundlage der festgelegten Anforderungen entwirft Ihr Team das System, mit dem das Endprodukt erstellt wird. In dieser Phase findet noch keine Programmierung statt. Das Team legt jedoch Spezifikationen wie die Programmiersprache oder Hardwareanforderungen fest.

3. Implementierung

In dieser Phase findet die Programmierung statt. Die Entwickler nutzen die Informationen aus der vorherigen Phase und erstellen ein funktionsfähiges Produkt. In der Regel implementieren Entwickler den Code in kleinen Abschnitten, die am Ende dieser Phase oder zu Beginn der nächsten integriert werden.

4. Testen

Sobald das Programmieren abgeschlossen ist, kann mit dem Testen des Produkts begonnen werden. Die Tester suchen methodisch nach Problemen und melden diese. Wenn schwerwiegende Probleme auftauchen, muss Ihr Projekt möglicherweise zur Neubewertung in die erste Phase zurückkehren.

5. Lieferung/Bereitstellung

In dieser Phase ist das Produkt fertiggestellt, und Ihr Team reicht die zu liefernden Produkte zur Bereitstellung oder Freigabe ein.

6. Wartung

Das Produkt wurde an den Kunden geliefert und wird genutzt. Wenn Probleme auftreten, muss Ihr Team diese möglicherweise durch Patches und Updates beheben. Auch hier kann es bei größeren Problemen erforderlich sein, zur ersten Phase zurückzukehren.

Vorteile des Wasserfallmodells

Beim Wasserfallmodell müssen Teams eine Abfolge von Schritten befolgen und dürfen erst dann zur nächsten Phase übergehen, wenn die vorherige abgeschlossen ist. Diese Struktur eignet sich für kleinere Projekte mit Ergebnissen, die von Anfang an leicht zu definieren sind.

Ben Aston vom The Digital Project Manager erklärt: „Das Wasserfallmodell gilt allgemein als ineffizienter und veralteter traditioneller Projektmanagementansatz und wird daher oft belächelt. Es kann jedoch nützlich und gut planbar sein. Voraussetzung dafür ist, dass die Anforderungen feststehen, gut dokumentiert und nachvollziehbar sind, dass die Technologie bekannt und ausgereift ist, dass das Projekt zeitlich überschaubar ist und dass durch einen agilen Ansatz kein zusätzlicher Nutzen erzielt wird. Ein Wasserfallmodell kann zu einem besser planbaren Endergebnis in Bezug auf Budget, Zeitplan und Umfang führen.“

Hier finden Sie einen umfassenden Überblick darüber, wo die Stärken der Wasserfallmethode liegen.

1. Klare Struktur

Im Vergleich zu anderen Methoden legt der Wasserfallansatz den größten Wert auf eine klare, festgelegte Abfolge von Schritten. Die Struktur ist einfach: Jedes Projekt durchläuft die oben beschriebenen sechs Phasen. Wenn die Fertigstellung durch Hindernisse beeinträchtigt wird, werden diese sofort erkannt. Unvollendete Projekte werden seltener zurückgestellt, sodass die Teams am Ende ein vollständigeres und ausgefeilteres Ergebnis vorweisen können.

2. Frühzeitige Festlegung des Endziels.

Einer der charakteristischen Aspekte des Wasserfallmodells besteht darin, sich zu Beginn auf ein Endprodukt, ein Ziel oder ein Ergebnis festzulegen. Die Teams versuchen dann, nicht von dieser Vorgabe abzuweichen. Bei kleinen Projekten mit klaren Zielen ist das Wasserfallmodell vorteilhaft, da es Ihrem Team von Anfang an das Gesamtziel vor Augen führt und die Gefahr verringert, sich im Laufe des Projekts in Details zu verlieren.

Hat Ihr Team ein konkretes Ziel mit einem klaren Endtermin, verhindert das Wasserfallmodell das Risiko, sich auf dem Weg dorthin zu verzetteln.

3. Guter Informationsfluss

Das Wasserfallmodell ist sehr methodisch aufgebaut. Daher überrascht es nicht, dass es Wert auf einen reibungslosen Informationsfluss legt. Unabhängig davon, ob Sie Projekte schrittweise weitergeben oder sich mit unerwarteten personellen Veränderungen konfrontiert sehen, legt das Wasserfallmodell Wert auf leicht zugängliche Informationen, damit neue Teammitglieder sich schnell einarbeiten können.

Durch die Dokumentation von Prozessen können Sie den Nutzen dieser Eigenschaft des Wasserfallmodells maximieren und sicherstellen, dass jedes Teammitglied weiß, was für ein Projekt bereits erledigt wurde, wenn es an die Reihe kommt.

Nachteile des Wasserfallmodells

Was ist also der Nachteil des traditionellen Wasserfallansatzes?

Das Wasserfallmodell ist zwar eine anerkannte Methode, steht aber aufgrund seiner veralteten Darstellung in der Kritik. Die Einschränkungen des Wasserfallmodells treten je nach Größe, Art und Zielen eines Projekts deutlicher zutage. Berücksichtigen Sie diese Einschränkungen, um zu beurteilen, ob die Wasserfallmethode wirklich für Ihr Team geeignet ist.

1. Änderungen sind schwer umsetzbar

Einer der Vorteile des Wasserfallmodells ist zugleich einer seiner Nachteile: Das Wasserfallmodell basiert darauf, dass eine Reihe von Schritten strikt eingehalten wird, damit die Teams immer weiter vorankommen. In ihrer traditionellen Form lässt diese Methodik fast keinen Spielraum für unerwartete Änderungen oder Anpassungen. 

Wenn Ihr Team bis kurz vor Projektende die Schritte des Wasserfallmodells gewissenhaft befolgt hat, dann aber auf ein ungeplantes Hindernis stößt, das eine Änderung des Umfangs oder der Ziele erforderlich macht, dürfte eine Neuausrichtung nicht einfach sein. Eine plötzliche Änderung der Projektparameter könnte einen Großteil der bis dahin geleisteten Arbeit zunichte machen, was den gesamten Zeitplan durcheinanderbringen kann.

2. Keine Einbindung von Kunden und/oder Endnutzenden.

Eine weitere Einschränkung des Wasserfallmodells besteht darin, dass es als interner Prozess nur sehr wenig auf den Endnutzenden oder Kunden eingeht, der an einem Projekt beteiligt ist. Das Hauptziel der Vorgehensweise bestand schon immer darin, internen Teams zu helfen, die Phasen eines Projekts effizienter zu durchlaufen. In bestimmten Branchen kann dies gut funktionieren. Kunden möchten jedoch oft in ein Projekt eingebunden werden, um ihre Meinung einzubringen und im Laufe des Projekts zu klären, was sie genau wünschen

Wenn Ihre Projekte von Anfang an klar definierte, feststehende Ziele aufweisen und Sie nicht dafür verantwortlich sind, Endnutzende oder Kunden während des Entwicklungsprozesses auf dem Laufenden zu halten, dann wird das Wasserfallmodell für Ihr Team wahrscheinlich gut funktionieren. In anderen Fällen sollten Sie ein agiles Framework in Betracht ziehen, um Veränderungen besser antizipieren zu können und die Stakeholder während der gesamten Projektlaufzeit auf dem Laufenden zu halten. Durch die Einbindung der Stakeholder verringern Sie das Risiko, dass späte Änderungswünsche Ihre Projekttermine durcheinanderbringen.

3. Testen erst nach Fertigstellung

Die Testphase ist einer der größten Nachteile des traditionellen Wasserfallmodells. Es ist riskant, die Testphase bis zur zweiten Hälfte eines Projekts aufzuschieben. Das Wasserfallmodell schreibt jedoch vor, dass Teams bis zum vierten von sechs Schritten warten müssen, um ihre Produkte zu testen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Fertigstellung des Projekts wahrscheinlich bereits viel Zeit in Anspruch genommen, sodass umfangreiche Überarbeitungen erhebliche Verzögerungen verursachen könnten.

Das agile Modell wurde als direkte Antwort auf dieses Prinzip des Wasserfallmodells entwickelt. Kritiker des Wasserfallmodells waren der Ansicht, dass bis zur Fertigstellung des Projekts zu viel Spielraum für unentdeckte Probleme bestehe, sodass umfangreiche, kostspielige Änderungen als einzige Lösung in Frage kämen. Wenn Sie der Meinung sind, dass regelmäßige Tests für Ihr Team vorteilhafter wären, führen Sie Tests am Ende jeder Projektphase durch, damit Sie erst dann weitermachen, wenn Sie sicher sind, dass alles funktioniert. Oder ziehen Sie eine andere Projektmanagementmethode in Betracht, die während des gesamten Prozesses zur Reflexion und Überarbeitung anregt.

Vor und Nachteile des Wasserfallmodells

Die Wasserfallmethode wurde seit ihrer Einführung sowohl kritisiert als auch befürwortet. Sie ist jedoch nach wie vor relevant, auch wenn andere Methoden entwickelt wurden, um viele ihrer Schwächen zu beheben. Wenn Sie ein kleines Team haben und Ihre Projekte beständig und vorhersehbar sind, könnte das Wasserfallmodell den idealen Rahmen bieten, um Ihr Team organisiert und auf Kurs zu halten.

Ist dies nicht der Fall, können Sie die Projektmanagementmethode gerne an Ihre Bedürfnisse anpassen. Mit Lucid steht es Ihnen frei, eine Struktur zu erstellen, die für Ihr Team und dessen individuelle Anforderungen am besten geeignet ist. Visualisieren Sie Ihren Wasserfallprozess oder jede andere Methode Ihrer Wahl mit Lucid. 

Erfahren Sie mehr über die Unterschiede zwischen traditionellem und agilem Projektmanagement, und wie Sie den besten Ansatz für Ihr Team wählen.

Mehr erfahren

Über Lucid

Lucid Software ist führend in den Bereichen visuelle Zusammenarbeit und Arbeitsbeschleunigung und unterstützt Teams dabei, die Zukunft zu antizipieren und zu gestalten, indem Ideen in die Realität umgesetzt werden. Zu seinen Produkten gehören die Visuelle Kollaborationssuite von Lucid (Lucidchart und Lucidspark) und airfocus. Die Visuelle Kollaborationssuite von Lucid, kombiniert mit leistungsstarken Acceleratorn für Geschäftsagilität, Cloud und Prozesstransformation, befähigt Unternehmen, die Arbeit zu optimieren, die Ausrichtung zu fördern und die Geschäftstransformation im großen Maßstab voranzutreiben. airfocus, eine KI-gestützte Produktmanagement- und Roadmap-Plattform, erweitert diese Fähigkeiten, indem sie Teams dabei unterstützt, Arbeiten zu priorisieren, Produktstrategien zu definieren und die Umsetzung mit Geschäftszielen in Einklang zu bringen. Es ist die am häufigsten von den Fortune 500 genutzte Work-Acceleration-Plattform und mehr als 100 Millionen Nutzende in Unternehmen weltweit, darunter Google, GE und NBC Universal, vertrauen auf die Lösungen von Lucid. Lucid kooperiert mit führenden Unternehmen wie Google, Atlassian und Microsoft und hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Produkte, sein Wachstum und seine Unternehmenskultur erhalten.

Verwandte Artikel

  • James Grenning, Mitautor des „Agilen Manifests“, über die Bedeutung der Dokumentation

    In diesem Interview spricht James Grenning, einer der Autoren des „Agilen Manifests“, darüber, wie moderne agile Teams die richtige Balance bei der Dokumentation finden können, um effizient zu arbeiten.

  • Die „4 Cs“ von leistungsstarken agilen Teams

    Agile Teams benötigen kollaborative Umgebungen, um sicher zu experimentieren und zu scheitern. Bryan Stallings, Chief Evangelist bei Lucid, teilt die 4 Cs des Teambuildings.

  • Tools für agiles Produktmanagement von Roman Pichler

    Wir haben mit Roman Pichler zusammengearbeitet, um zwei seiner beliebtesten Tools – das Product Vision Board und die GO Product Roadmap – als Vorlagen für Lucidspark nachzubilden. Erfahren Sie mehr über den international renommierten Experten und seine Tools für agiles Produktmanagement.  

  • Agile selbstorganisierende Teams: Grundlagen und Wege zum Erfolg

    In diesem Artikel beleuchten wir die Vorteile und Herausforderungen agiler selbstorganisierender Teams und skizzieren, wie diese Teams in Kombination mit Scrum Teams und agiler Führung erfolgreich sein können.

Holen Sie sich gleich die kostenlose Lucidchart-Testversion und beginnen Sie noch heute mit dem Erstellen Ihrer Diagramme!