Wenn Ihre Organisation wächst, brauchen Sie eine Möglichkeit, alle auf dem gleichen Stand zu halten. Mit anderen Worten: Sie benötigen eine Projektmanagementstrategie. In der Softwareentwicklung gibt es zwei zentrale Projektmanagement Methoden: Agile und Wasserfall.
In diesem Artikel werden wir die Unterschiede zwischen Agile und Wasserfall sowie die Vor- und Nachteile beider Methoden aufschlüsseln. Denken Sie daran, dass es keine „richtige“ Projektmanagementstrategie für Sie und Ihr Team gibt – Sie könnten die Agile-Methode für einige Projekte und die Wasserfallmethode für andere verwenden. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, wie Sie den richtigen Ansatz für jedes Ihrer Projekte auswählen können!
Was ist die Agile-Methodik?
Die Agile-Methodik ist ein Ansatz in der Softwareentwicklung, der Flexibilität, Effizienz und die schnelle Lieferung eines Produkts betont. Funktionsübergreifende Teams arbeiten zusammen, um kontinuierlich zu verbessern und zu iterieren. Sie basiert auf vier Kernwerten und zwölf Kernprinzipien, die im Agile-Manifest dargelegt sind.
Die Agile-Methodik wird oft fälschlicherweise für einen schrittweisen Prozess zur Produktentwicklung gehalten. Tatsächlich ist sie jedoch eine Philosophie – eine Herangehensweise an Projekte. Verschiedene Frameworks und Methoden fallen unter den Begriff „Agile“ (wie beispielsweise Kanban und Scrum).
Wie die Agile-Methodik funktioniert
Agile Frameworks basieren alle auf dem Sprint – einem kurzen, vordefinierten Zeitraum, um eine Reihe von Ergebnissen zu erreichen. In der Regel dauern Sprints zwei Wochen, was aber je nach Bedarf des Teams angepasst werden kann.
Zu Beginn jedes Sprints legt Ihr Team eine Reihe von Ergebnissen fest, die Sie erreichen möchten. Im Verlauf des Projekts sollte Ihr Team ständig mit anderen Stakeholderinnen und Stakeholdern kommunizieren, um die Ergebnisse bei Bedarf neu zu priorisieren und anzupassen.
In jeder Agile-Methodik werden Programmierung und Testen nicht in separate Phasen unterteilt. Beides passiert während jedes Sprints. Das Ziel ist es, ein funktionierendes Produkt zu liefern, kein perfektes Produkt. In den folgenden Sprints können Sie die Software schrittweise verbessern.
Vorteile der Agile-Methodik
Die Agile-Methodik bietet viele Vorteile. Im Nachfolgenden wollen wir drei davon näher beleuchten:
Zusammenarbeit und Einbindung von Stakeholderinnen und Stakeholdern
Während jedes Sprints besprechen das Entwicklungsteam, die Kundschaft und weitere Beteiligte das Produkt und die zu erbringenden Leistungen. Diese regelmäßige Kommunikation ermöglicht es den Entwicklerinnen und Entwicklern, Feedback schnell in das Produkt einfließen zu lassen, die Kunden stets informiert und zufrieden zu halten und letztendlich ein besseres Endprodukt zu erzielen.
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
Da die Agile-Methodik ein iterativer Ansatz ist, können Sie die Software während des gesamten Entwicklungsprozesses an sich ändernde Anforderungen anpassen.
Produkte von hoher Qualität
Traditionelle Softwareentwicklungsstrategien sind in klare Phasen unterteilt: Zuerst programmieren, dann testen. Obwohl dieser Ansatz Vorteile hat, kommen Sie vielleicht in die Testphase und stellen fest, dass Sie ein Produkt von geringer Qualität haben. Die Agile Methodik integriert Programmierung und Testen in jeden Sprint, sodass Sie genau wissen, wo das Produkt steht. Außerdem verbessern Sie es mit jedem Sprint!
Nachteile der Agile-Methodik
Trotz aller Stärken hat die Agile-Methodik auch ihre Schwächen. Hier sind einige Nachteile, die Sie beachten sollten:
Begrenzt im Umfang
Um die Vorteile der Agile Methodik wirklich zu erkennen, muss ein Projekt mehrere Sprints dauern. Aus diesem Grund eignet sie sich am besten für mittelgroße bis groß angelegte Projekte. Für ein kurzfristiges Projekt ist ein eher linearer Ansatz oft am besten.
Erfordert Kommunikation
Eine Agile Methodik erfordert eine umfassende Kommunikation zwischen Teammitgliedern, Stakeholderinnen und Stakeholdern und Kunden. Wenn Ihr Team Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit hat oder Sie nicht die für diese Art der Kommunikation erforderliche Zeit aufbringen können, ist Agile möglicherweise nicht die beste Wahl.
Hohe Kosten
Da die Agile-Methodik in zweiwöchigen Sprints arbeitet, ist es oft schwierig, einen Gesamtzeitstrahl zu erstellen. Um Verzögerungen und unvorhergesehene Hindernisse zu bewältigen, müssen unter Umständen zusätzliche Sprints in den Projektlebenszyklus integriert werden. Dies bedeutet mehr Zeitaufwand und höhere Kosten.
Was ist die Wasserfallmethodik?
Wenn ich Sie bitten würde, eine traditionelle Strategie der Softwareentwicklung zu beschreiben, würden Sie wahrscheinlich etwas formulieren, das der Wasserfallmethode nahekommt. Während Agile ein iterativer Ansatz ist, verläuft die Wasserfallmethode linear. Die Entwicklung ist in einzelne Phasen unterteilt – bevor man zur nächsten Phase übergeht, muss man die aktuelle Phase abschließen und die Arbeit von einer bzw. einem Vorgesetzten abnehmen lassen.
Auch wenn die genauen Phasen von Projekt zu Projekt und von Team zu Team variieren, sieht die Gesamtstruktur in der Regel etwa so aus:
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Phase 1: Konzeption. Welche Art von Software werden Sie entwickeln? Der Kunde wird dies wahrscheinlich bestimmen.
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Phase 2: Analyse. Was sind die technischen Anforderungen Ihres Projekts? Dazu können Merkmale, Funktionalität usw. gehören.
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Phase 3: Design. Wie werden Sie diese Anforderungen erfüllen?
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Phase 4: Konstruktion. Es ist an der Zeit, mit der Programmierung zu beginnen!
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Phase 5: Testen. Sobald Sie mit dem Programmieren fertig sind, ist es an der Zeit zu überprüfen, ob Sie erfolgreich waren. Erfüllt das Endprodukt die Anforderungen?
Vorteile der Wasserfallmethodik
Es ist verlockend anzunehmen, dass die Agile-Methodik überlegen ist, weil sie flexibler ist, aber das ist nicht immer der Fall. Flexibilität kann zu Unsicherheit führen. In manchen Situationen kann die Starrheit der Wasserfallmethodik genau das sein, was Sie brauchen. Schauen wir uns einige der Stärken der Wasserfallmethode an:
Klarer Zeitplan und Erwartungen
Da die Wasserfallmethode ein linearer Ansatz in der Softwareentwicklung ist, ist es viel einfacher, die Dauer und Kosten eines Projekts vor Beginn genau vorherzusagen.
Es bleibt Raum für andere Projekte
Agile Softwareentwicklung funktioniert am besten, wenn jedes Teammitglied voll und ganz seinem Projekt verpflichtet ist. Sprints sind zu kurz, um Teammitgliedern die Arbeit an anderen Projekten zu ermöglichen. Mit dem Wasserfallansatz können Teammitglieder ihre Aufmerksamkeit oft auf mehrere Projekte verteilen.
Weniger Kundenbeteiligung
Je nachdem, wie Ihr Team am liebsten arbeitet, kann dies ein Vorteil oder ein Nachteil sein. Wenn Ihre Entwicklerinnen und Entwickler unabhängig arbeiten, bedeutet eine geringere Einbindung der Kunden mehr Spielraum für sie, ihre Aufgaben zu erledigen.
Nachteile der Wasserfallmethode
Hier einige Nachteile der Wasserfallmethode:
Geringere Flexibilität
Beim Wasserfallmodell werden Produktanforderungen und -spezifikationen vor Beginn der Programmierung definiert. Das bedeutet, dass es nach dem Start der Entwicklung schwierig ist, Änderungen an diesen Anforderungen vorzunehmen.
Spätes Feedback
Die lineare Struktur der Wasserfallmethode sieht vor, dass das Feedback erst am Ende erfolgt, nachdem die Programmierung und das Testen abgeschlossen sind. Sollte die der Kunde unzufrieden sein, müssen Sie möglicherweise erhebliche Änderungen am Produkt vornehmen. Diese Änderungen werden mehr Zeit in Anspruch nehmen und höhere Kosten verursachen.
Begrenzt im Umfang
Das Wasserfallmodell eignet sich nicht für längere Projekte. Ein verspätetes Feedback erhöht das Risiko kostspieliger Nachbesserungen, falls das Endergebnis hinsichtlich der Funktionalität oder der Kundenerwartungen hinter den Vorgaben zurückbleibt.
Wesentliche Unterschiede zwischen der Wasserfall- und der Agile-Methodik
Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie bereits ein gutes Verständnis für das Wasserfallmodell und Agile-Methoden sowie deren jeweilige Vor- und Nachteile haben. Schauen wir uns jedoch einige der wichtigsten Unterschiede genauer an und wie sich diese auf Ihr Team auswirken:
Projektumfang
Wenn Ihr Team den Wasserfallansatz verwendet, wird der Projektumfang im Voraus festgelegt. Dies erfordert eine gründliche Planung, verschafft Ihnen jedoch einen besseren Überblick über die Projektdauer und die zur Fertigstellung erforderlichen Ressourcen.
Bei der Agile-Softwareentwicklung sollten Sie vor Projektbeginn eine Vorstellung vom Projektumfang haben. Der Unterschied liegt darin, dass sich der Umfang bis zum Projektabschluss ändern kann. Wünscht ein Kunde zusätzliche Funktionen, kann Ihr Team Sprints hinzufügen, um diese Änderungen umzusetzen. Diese Flexibilität hilft Ihrem Team, ein hervorragendes Produkt zu liefern, doch die genaue Vorhersage von Projektdauer, -umfang und -kosten gestaltet sich schwierig.
Team
Die gewählte Methodik bestimmt nicht nur, wie Sie ein Produkt entwickeln, sondern auch, wie Ihr Team arbeitet und mit Stakeholderinnen und Stakeholdern interagiert. Die Wasserfallmethode ermöglicht es Ihrem Team, einen zurückhaltenden Ansatz zu verfolgen. Der Kunde ist hauptsächlich am Anfang und Ende des Projektlebenszyklus beteiligt – alles dazwischen liegt im Ermessen Ihres Teams. Planen Sie bei Bedarf Besprechungen mit den Teammitgliedern, doch die Kommunikation könnte relativ spärlich ausfallen.
Agile hingegen erfordert das volle Engagement jedes Teammitglieds. Es gibt keinen Platz für Entwicklerinnen und Entwickler, an mehreren Projekten zu arbeiten. Ihr Team sollte täglich Agile-Meetings planen und den Kunden mindestens einmal pro Sprint informieren.
Feature-Priorisierung
Beim Wasserfallansatz werden die Produktmerkmale in der Analysephase vor Beginn der Entwicklung bestimmt. Alle Funktionen werden gleichermaßen priorisiert – sie müssen nur abgeschlossen werden, bevor die Testphase beginnt.
Agile Softwareentwicklung bietet mehr Flexibilität. Wenn eine Kundin bzw. ein Kunde eine Funktion nicht wünscht, ist das kein Problem – sie wird einfach ans Ende der Prioritätenliste verschoben. Ebenso können Änderungen an neuen Funktionen oder deren Priorisierung im nächsten Sprint umgesetzt werden.
Die Wahl zwischen Agile und Wasserfall
Bei kleineren Projekten mit klar definierten Lieferergebnissen (alles unter einem Monat) ist die Wasserfallmethode eine sichere Wahl.Der Kunde weiß, was er will, und Sie wissen, wie Sie es ihm liefern können. Es sollte recht unkompliziert sein.
Wenn Sie davon ausgehen, dass sich die Anforderungen ändern könnten, sollten Sie stattdessen Agile in Betracht ziehen. Bei solchen längeren, unvorhersehbareren Projekten sollten sowohl der Product Owner als auch der Kunde eng eingebunden werden.
Letztendlich kommt es auf Ihre organisatorischen Bedürfnisse an. Jede Methode hat ihre Stärken und Schwächen – Sie müssen entscheiden, welche die beste ist!
Agile-Wasserfall-Hybridmethode
Die Hybridmethode aus Agile und Wasserfallansatz vereint die Vorteile beider Vorgehensweisen. Da Agile eher eine Philosophie ist, lässt es sich auch auf eine starre Wasserfallmethodik anwenden. Sie und Ihr Unternehmen müssen die optimale Hybridlösung für Ihr Team finden. Hier sind einige mögliche Szenarien.
Mögliche Hybridkombinationen aus Agile und Wasserfall
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Setzen Sie die Agile-Methode auf Unternehmensebene ein, während Sie für Anforderungsanalyse, Design und Implementierung das Wasserfallmodell verwenden.
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Nutzen Sie die Agile-Methode auf Projektebene, aber den Wasserfallansatz auf Unternehmensebene.
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Wenden Sie die Wasserfallmethode sowohl auf Projekt- als auch auf Unternehmensebene an, aber nutzen Sie die Agile-Methodik für einzelne Teams.
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Wenden Sie die Wasserfallmethodik sowohl auf Team- als auch auf Unternehmensebene an, wählen Sie jedoch bestimmte Entwicklungsphasen aus, in denen Agile-Techniken zum Einsatz kommen sollen.
Es ist verlockend, sich auf eine bestimmte Methode zu versteifen. Dabei ist es jedoch wichtig, daran zu denken, dass der erfolgreiche Abschluss des Projekts oberste Priorität hat. Die beste Methode ist diejenige, die den Teams bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, der Entwicklung eines brauchbaren Produkts und der Einhaltung des Budgets hilft.