Beispiele für Anwendungsfälle agentischer KI
Die optimalen Einsatzbereiche für agentische KI variieren je nach Unternehmen. Die folgenden Beispiele dienen Ihnen als Inspiration für den Einstieg.
Anwendungsfälle agentischer KI im Personalwesen (HR)
HR-Teams können agentische KI für die Bewerbervorauswahl oder die Onboarding-Koordination einsetzen.
Ein Onboarding-Agent könnte neue Mitarbeitende beispielsweise durch eine Checkliste führen, Fragen beantworten und Feedback geben.
Onboarding eignet sich hervorragend für KI-Agenten, da es voller individueller Entscheidungsfragen steckt. Die Bedürfnisse neuer Mitarbeitender hängen stark von der Abteilung, der Vorerfahrung und der Lerngeschwindigkeit ab. Ein Agent passt sein Vorgehen flexibel an das Feedback an, während eine klassische Automatisierung starr E-Mails versenden würde – unabhängig davon, ob die Person bereit dafür ist.
Anwendungsfälle agentischer KI im Vertrieb
Vertriebsteams können agentische KI für die Recherche von Pipeline-Potenzialen, die Erstansprache oder die Erstellung von Angeboten nutzen.
Betrachten wir einen Agenten für die Kundenakquise: Vertriebsmitarbeitende verbringen viel Zeit damit, Geschäftsberichte, LinkedIn-Beiträge und Nachrichten zu analysieren, um relevante Anknüpfungspunkte für die Kaltakquise zu finden.
In diesem Beispiel übergeben Sie dem Akquise-Agenten eine Liste von Zielunternehmen. Der Agent analysiert aktuelle Finanzberichte, durchsucht Branchennews nach relevanten Begriffen und wertet Social-Media-Aktivitäten von Führungskräften aus. Anschließend verfasst er ein hochgradig personalisiertes Anschreiben, das exakt auf aktuelle geschäftliche Herausforderungen des Unternehmens eingeht.
Anwendungsfälle agentischer KI in der IT und Softwareentwicklung
Teams aus Softwareentwicklung, IT und Cybersecurity können agentische KI für die Migration von Altsystemen, die Analyse von Sicherheitsvorfällen oder die Überwachung und Abwehr von Bedrohungen nutzen.
So verbringen Softwareentwickler:innen oft Wochen oder Monate damit, alte Codebasen manuell zu überarbeiten, um moderne Sicherheitsstandards zu erfüllen oder auf effizientere Programmiersprachen umzusteigen. Ein Migrationsagent könnte Anwendungsabhängigkeiten erfassen, die Leistung analysieren, den Code umschreiben, automatisierte Tests generieren und Fehler im Build-Prozess iterativ beheben.
Ein Anwendungsfall in der Cybersicherheit könnte die automatisierte Bedrohungserkennung, die Analyse von Netzwerkdaten, die Einleitung von Gegenmaßnahmen sowie das kontinuierliche Erlernen neuer Bedrohungsmuster umfassen.
Praktische Tipps für die Ersteinführung agentischer KI
Unsere Expert:innen teilen ihre wichtigsten Empfehlungen für den erfolgreichen Einstieg in die Nutzung agentischer KI.
Fangen Sie ruhig „unspektakulär“ an
Es mag verlockend sein, direkt nach hochkomplexen Anwendungsfällen zu suchen. Rosenbaugh betont jedoch, dass scheinbar unaufgeregte Anwendungsfälle mit klarem ROI und geringem Risiko oft die beste Wahl sind: „Erfolge bei einfachen, risikoarmen Projekten schaffen das notwendige Fundament für spätere, anspruchsvollere Umsetzungen.“
Lassen Sie nicht zu, dass Bedenken Chancen blockieren
Bedenken wie KI-Halluzinationen können Teams davon abhalten, neue Wege zu testen. Selbstverständlich sollten Risiken berücksichtigt und entsprechende Schutzmechanismen etabliert werden. Dennoch sollte Angst niemals der Ratgeber bei der Gestaltung der Zukunft sein.
„Viele nehmen an, dass sie direkt den gesamten Prozess in einen agentischen Workflow verwandeln müssen“, so Eve. „Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Beginnen Sie stattdessen mit den ersten zwei Schritten. Sie werden schnell lernen und Vertrauen in agentische KI gewinnen.“
Etablieren Sie klare Nutzungsrichtlinien
„Nichts bremst die Begeisterung von Mitarbeitenden für neue Technologien schneller als fehlende Experimentiermöglichkeiten durch fehlende Tool-Freigaben oder unklare Vorgaben“, betonen Eve. „Das nimmt Neugierde – und Neugier ist die menschlichste Reaktion auf neue Technologien.“
Laut der Studie zur KI-Bereitschaft von Lucid sorgen sich 42 % der Befragten vor einer unsachgemäßen KI-Nutzung aufgrund unklarer Richtlinien, und 27 % sind deswegen sehr besorgt. Schaffen Sie Klarheit, indem Sie definieren, welche Tools freigegeben sind und wofür sie eingesetzt werden dürfen.
Gehen Sie zudem nicht davon aus, dass ein einzelnes KI-Modell (wie Gemini oder Claude) für jede Aufgabe optimal ist. Unterschiedliche Modelle besitzen unterschiedliche Stärken – etwa im Programmierbereich im Vergleich zu kreativen Analysen. Nutzen Sie die Vielfalt und beziehen Sie das Feedback der Teams ein.
Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von Change Management
„Change Management bei KI scheitert häufiger auf Führungsebene als im Team“, erklärt Rosenbaugh. „Führungskräfte müssen die KI-Einführung aktiv vorantreiben, statt sie nur zu befürworten.“
Um den Wandel wirksam zu gestalten, sollten Führungskräfte das gewünschte Verhalten vorleben, Governance-Entscheidungen verantworten und den Mehrwert von KI frühzeitig vermitteln. Da das mittlere Management für Ergebnisse verantwortlich ist, müssen Anreize und Prioritäten so gesetzt werden, dass Führungskräfte befähigt werden, diese Initiativen voranzutreiben.
Anschließend können Teamleitungen Maßnahmen ergreifen, um die Akzeptanz auf Teamebene zu stärken – etwa durch Netzwerke zum Austausch von Best Practices. „Wenn Sie frühzeitig Strukturen zum Wissensaustausch etablieren, profitieren Sie von erfolgreichen Experimenten und multiplizieren diese im gesamten Unternehmen“, so Bailey.
Planen Sie die kontinuierliche Wartung der KI ein
Unabhängig davon, mit welchen Anwendungsfällen Sie starten: Agentische KI ist keine Einmallösung. Da sich Technologien, Prozesse und Systeme stetig weiterentwickeln, sind regelmäßige Überprüfungszyklen für agentische Workflows unerlässlich.
Eine der wirksamsten Wartungsstrategien besteht darin, die offizielle Geschäftsprozessdokumentation zentral und stets aktuell zu halten. So behalten Sie jederzeit den Überblick, selbst wenn ein KI-Workflow angepasst werden muss.
Lucid erleichtert Ihnen nicht nur die Dokumentation von Prozessen, sondern auch deren Aktualisierung. Mit dem Prozess-Accelerator erstellen Sie durchsuchbare Archive für offizielle Prozessdokumente und nutzen integrierte Freigabe-Workflows zur Einhaltung Ihrer Governance-Richtlinien.